Zum Schreien: Miese Strategie in Filmen und Serien

Ich mag Strategie. Strategiespiele gehörten schon immer zu meinen liebsten Spielegenres, ich lese manchmal zum Zeitvertreib die Wikipedia-Artikel berühmter Schlachten und „Die Kunst des Krieges“ von Sunzu steht gleich zwei mal in meinem Regal. Daneben findet man „Der Fürst“ von Niccolo Machiavelli und „Der Gallische Krieg“ von Julius Cäsar.
Demenstprechend bemerke ich es sehr schnell, wenn ich in Filmen oder Serien dumme Strategien sehe. Schlechte Strategien schaffen es sehr schnell mir einen Film komplett zu versauen. Manchmal ist das verzeihbar, also wenn ich anhand der Story oder der Charaktere ableiten kann, warum ein solcher Fehler gemacht wird.

Ein Beispiel:
In „The Battle of the Bastards“ der berühmten TV-Serie Game of Thrones zieht Jon Schnee (Ja, ich sage Schnee und nicht Snow. Und darüber werde ich nicht diskutieren) mit seiner Armee gen Winterfell, welches von Ramsay Bolton besetzt ist. Dieser ist besser ausgerüstet, seine Leute haben mehr Erfahrung, sind ausgeruhter und er hat die bessere Position. Jons Entscheidung gegen Bolton zu ziehen ist nicht gut, aber die Zeit drängt nun mal, da die Weißen Wanderer immer näher kommen und er daher keine andere Wahl hat.
Er trifft hier eine nachvollziehbare Entscheidung, die offen von den anderen Charakteren kommentiert und bewertet wird. Ich sehe und höre immer wieder, dass es keine andere Möglichkeit gibt und daher kann ich es nachvollziehen.
Zu Beginn der Schlacht reitet Jon alleine auf die gegnerischen Schlachtreihen zu. Wo manch einer jetzt sagen würde: „Aber Felix, das ist doch wirklich saudumm und muss dich stören“, kann ich nur antworten: „Ja. Es ist dumm. Aber ich kann es verstehen.“
Warum? Ganz einfach:
Sein Bruder Rickon wird von der anderen Seite über das Schlachtfeld gejagt wird und ihm droht der Tod durch einen Pfeilschuss Ramsay Boltons. Jon war in der gesamten Serie immer ein sehr emotionaler Charakter. Er hatte nie eine Ausbildung zum Strategen und der Zuschauer weiß, dass ihm das Leben seines kleinen Bruders extrem wichtig ist.

„Battle of the Bastards“ ist insgesamt – was das angeht – sehr ergiebig, da ich auch die andere Seite des Spektrums sehr leicht finde:

Oder möchte mir jemand erklären, warum niemand Wun Wun eine Waffe in die Hand gedrückt hat?

https://img.buzzfeed.com/buzzfeed-static/static/2016-06/20/10/enhanced/buzzfeed-prod-web14/original-grid-image-1311-1466432783-1.jpg?crop=1024:677;0,25&downsize=715:*&output-format=auto&output-quality=autoQuellenbild: https://www.buzzfeed.com/javiermoreno/we-need-to-talk-about-wun-wun-on-game-of-thrones?utm_term=.mtdWle61Wy#.uwAE9VkJE5 – 23.01.2018 – 12:30 Uhr

Wir haben hier einen fünf Meter hohen Riesen mit irrsinniger Kraft und niemand gibt ihm eine Waffe! Ernsthaft!?
Nun könnte man argumentieren, dass grad keine Waffen in Riesengröße zur Verfügung stehen, denn welcher Schmied baut sich denn mal ebenso ein 2,5 m langes Schwert?
Aber habt ihr mal hinter die Schlachtreihen der Nords und Wildlinge gesehen? Was ist denn da? Was versteckt sich da klein und zaghaft im Bild? Ganz genau: Ein riesiger Wald.
Und nun frage ich: Warum hat niemand daran gedacht mal eben schnell einen Baum zu fällen und ihn Wun Wun in die Hand zu drücken? Oder gleich ein paar mehr, die könnte man ja werfen. Ramsay Boltons mächtige Reitereinheiten wären schneller Geschichte als jemand „langer dicker Riesen…arm“ sagen könnte. Da spricht doch eigentlich nichts dagegen. Außer dem Budget der Folge vielleicht.

Machen wir weiter. Das nächste Beispiel:
Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere. Abgesehen davon, dass diese Trilogie meiner Meinung nach eh eine Vergewaltigung von Tolkiens Werk ist, habe ich hier auch einen der größten und vor allem störendsten taktischen Fehler, den ich kenne gefunden.

Reden wir deswegen erst einmal über die Elben. Diese Nachfahren der Götter sind vor allem durch ihre Unsterblichkeit, ihre Weisheit und für ihre großartigen Bogenschützen bekannt. Thranduil, der Anführer des Elbenvolks aus Hobbit 3 ist weit über 2000 Jahre alt und zog schon am Ende des Zweiten Zeitalters gegen Mordor und Sauron. Er ist also laut der Herr der Ringe-Lore ein weiser und strategisch fähiger König (und übrigens Legolas Vater).
Auch die anderen Elben unter seinem Kommando sind mindestens mehrere Jahrhunderte alt und in ihren Kampfkünsten entsprechend geschult.

Im Film geschieht es nun, dass die Elben, Menschen und Zwerge ihre Differenzen bezüglich Smaugs Schatz hinter sich lassen müssen, um eine riesige Armee aus Orks und Wargen zu besiegen. Die Zwerge formieren deswegen einen massiven Schild- und Speerwall, an dem jede Armee sich langsam zerreiben würde. Die Elben, für ihre Weisheit und apollgleichen Fähigkeiten mit dem Bogen bekannt unterstützen die Zwerge, indem sie die gegnerischen Reihen dezimieren, noch bevor sie….Was? Was sagst du? Tun sie nicht? Sie springen über die Zwerge hinweg und machen so deren Formation zunichte!? IST DAS DEREN VERDAMMTER ERNST!?

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=eRVUB_qpbaQ – 23.01.2018 – 17:40 Uhr

Ich kann mir dieses Desaster nur und ausschließlich dadurch erklären, dass Thranduil einen gewaltigen Peniskomplex hat und demzufolge unbedingt vor den Zwergen beim Feind sein muss.
Die Entschuldigung „Die Elben haben grad keine Bögen da“ lasse ich übrigens nicht gelten.  Jeder Elb der was auf sich hält, hat seinen Bogen dabei. Das ist die bevorzugte Primärwaffe der Elben. Wäre auch die meine, wenn die einzige Art auf die ich sterben kann der gewaltsame Tod ist.

Ich kann noch lange so weitermachen. Star Wars liefert viel gutes (bzw. schlechtes) Material für weitere Beispiele. „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ ist nicht besser. Selbst in der Straßengang-Serie „Peaky Blinders“ findet man offensichtlich dumme Fehler. Manchmal ist es den Regisseuren und Autoren einfach nicht aufgefallen. Und im schlimmsten Fall wird die Glaubwürdigkeit von Story und Charakteren bewusst auf dem Altar der visuellen Darstellung geopfert.

Ich glaube nicht, dass sich das je ändern wird. Aber immerhin kann ich darüber schreiben. Das nächste Mal wenn ein „genialer“ Feldherr und Held den Befehl gibt anzugreifen: Seht genauer hin. Und denkt nach. Denn manchmal braucht es nur ein wenig Menschverstand um die Idiotie darin zu entdecken.

Gratulation. Ihr wisst jetzt, wie man sich immer mehr gute Filme und Serien kaputt machen kann. Genießt es und schreibt mir eure Funde oder eure Erinnerungen an alte unsinnige taktische Entscheidungen in die Kommentare.

Euer Felix

 

Titelbildquelle: https://www.theplace2.ru/photos/300-md2572/pic-113765.html – 23.01.2018 – 15:00 Uhr

2 Kommentare zu „Zum Schreien: Miese Strategie in Filmen und Serien

  1. Nabend, ich kann auch nur immer wieder mit dem Kopf schütteln, wenn ich sehe was sich sich Regisseure und Autoren so für Taktiken ausdenken. Leider steht eine coole Inszenierung oft vor der Logik des Geschehens. Ich spiele auch seit dem ich klein bin schon Strategiespiele und muss deshalb immer alles aus der Sicht eines Taktikers betrachten. Aber selbst einem Laien sollte auffallen, dass manch eine Taktik mehr als dumm und offensichtlich zum scheitern verurteilt ist. Freue mich schon auf deinen nächsten Beitrag.

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    1. Hallo,
      Danke für deinen Kommentar 🙂
      Manchmal frage ich mich halt schon ob ich der einzige bin, der sowas bemerkt. Zum Glück offenbar nicht 😀 Schön dass dir der Post gefällt, als nächstes kommt (bzw. kam) ein Beitrag zum Fortsetzungswahn Hollywoods. Den hab allerdings nicht ich verbrochen, sondern Niklas, ein Freund, der sich bereit erklärt hat hier mitzuschreiben 🙂

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