Dunkel(häutig)es Mittelalter – Ethik ist wichtiger als Geschichte!

Derzeit kursiert im Web eine große Debatte darüber ob Kingdom Come: Deliverance, das
Mittelalterspiel der Warhorse Studios, aufgrund der vermeintlichen rassistischen Tendenzen des Lead Designers Daniel Vávra möglicherweise auch rassistische Züge enthält. Als Beispiel wird das Fehlen von anderen Ethnien als den vorherrschenden Weißen genannt. Daniel Vávra entgegnet dem damit, dass es keine überlieferten Beweise von anderen Völkergruppen in diesem Gebiet Böhmens gebe.

Nun möchte ich mich gar nicht erst auf Kingdom Come: Deliverance festschießen, sondern eine ganz andere Frage stellen:
Sollte man nicht – unabhängig von den gegebenen Quellen – in der heutigen Zeit Menschen unterschiedlichster Ethnien in jedes Spiel einbauen?

Wie befinden uns in einer Zeit, in der eine rechtspopulistische Partei in Deutschland andere Volksgruppen nur aufgrund ihrer Herkunft als „schlecht für Deutschland“ bezeichnet – und damit große Erfolge feiert. Wir befinden uns in einer Zeit, in der in den USA die Polizeigewalt gegenüber Schwarzen immer weiter zunimmt. Und wir befinden uns in einer Zeit in der ein amerikanischer Präsident afrikanische Länder als „shit hole countries“ beschimpft.

Unsere Pflicht ist es dem entgegen zu halten. Und es ist auch die Pflicht des Mediums Videospiel diesen Vorurteilen zu begegnen und sie auszuräumen.
In GTA V spielt man mit Franklin einen Schwarzen – welcher ein Verbrecher ist.
In Ghost Recon Wildlands schießt man quasi ausschließlich auf Latinos.
Und in so ziemlich keinem AAA-Spiel das mir einfällt gibt es eine große, spielrelevante ethnische Diversität.

Wenn man nun in Kingdom Come: Deliverance Schwarze, Asiaten usw. einbauen würde mag das historisch nicht korrekt sein – aber es wäre meiner Meinung nach ethisch richtig. Denn Film, Fernsehen und Spiel beeinflussen die Menschen und bilden Meinungen und Weltbilder. Wenn jetzt das Normalbild im Spiel eine ethnische Diversität ist werden wir davon beeinflusst – vor allem wenn diese Diversität neutral oder sogar positiv konnotiert ist. Einige nicht-Weiße NPCs oder Protagonisten würden so Wunder wirken. Meiner Meinung nach wäre das begrüßenswert.
Also: Why not? Schaden wird es bestimmt nicht.

Euer Felix

Über Kommentare und Feedback freue ich mich wie immer 🙂

Titelbildquelle: http://www.gamersglobal.de/news/128542/kingdom-come-deliverance-entwicklertagebuch-zu-cast-mocap-und-cutscenes – 28.01.2018 – 12:45 Uhr

2 Kommentare zu „Dunkel(häutig)es Mittelalter – Ethik ist wichtiger als Geschichte!

  1. Du machst hier eine wirklich spannende Diskussion auf. Schade, dass sie kein Feedback erhält! Das ändere ich mal 😉
    Ich bin da ganz bei dir, dass Spiele mehr Diversität brauchen. Ich als Mädel weiß wovon ich spreche. In diesem Fall würde ich aber widersprechen. Es kommt doch ein wenig auf das Spiel an. Die Macher wollen ja eine möglichst authentische Spielwelt erschaffen. Da fände ich es tatsächlich unnötig jetzt irgendwas über’s Knie zu brechen und nur, um die Gleichberechtigungs-Fahne hochhalten zu können, Völkergruppen einzubauen, die sich ins Böhmen der damaligen Zeit einfach nicht gab.

    Du schneidest in deinem Text auch das (problematische) Thema der Tropes an. Wir brauchen sie ein Stück weit für das Storytelling, da Menschen sich eben eher mit vertrauten Dingen identifizieren können – mit vertrauten Mustern. Spätestens seit der Antike bedient man sich gewisser Schemata und Stereotypen, um eine Geschichte zu erzählen und eine Botschaft zu vermitteln. Katharsis und so. Welcher Ethnie der Protagonist angehört ist in diesem Kontext also völlig egal – oder aber Teil der Geschichte, die erzählt wird. Und da Games Kunst sind, sollte das jeder halten können, wie er möchte – ohne gleich wegen Rassismus oder Antifeminismus an den Pranger gestellt zu werden.

    Trotzdem. Ja. Manchmal ist es gut und richtig mit den bestehenden Mustern zu brechen und neue Wege zu gehen. Sich weiterzuentwickeln. Seit der Antike ist viel passiert. Ich meine… so gesehen gibt es das Wahlrecht für die Frau in Deutschland gerade einmal 99 Jahre. Man muss da schonmal kurz relativieren und an die tausend Jahre zuvor denken, wo eben ein anderes Mindset vorherrschte. Und es dauert eben, bis das Neue in den Köpfen der Menschen angekommen ist.

    Und ja… da sehe ich Spiele ein Stück weit in der Verantwortung, diese Entwicklung voranzutreiben. Aber müssen tun sie das nicht! Es ist und bleibt Kreativarbeit. Nicht jedes Spiel muss jetzt Diversität zum Thema haben. Es gibt so viele andere Probleme. Ein Verständnis für Geschichte zu schaffen – ich meine Böhmen ist ja auch kein unbeschriebenes Blatt – gehört dazu und ist erstmal völlig ausreichend 😉

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    1. So, jetzt schaff ich es auch mal endlich zu antworten, danke für den Kommentar 🙂
      Ich stimme dir vollumfänglich zu, allerdings denke ich dennoch, dass es nicht schaden würde wenn man in manchen Fällen auch mal auf die geschichtliche Accuratesse pfeift. Gerade in solchen Fällen, in denen die Dissonanz zwischen Realität und Spiel klar zu erkennen wäre, es aber im Sinne einer diversen Gesellschaft auf jeden Fall begrüßenswert ist. Das Spiele die Realität nicht absolut genau nachbilden können ist klar; das will auch (so gut wie) niemand, da Spiele sonst einfach keinen Spaß machen würden. Und dann könnte man hier auch aus der Not eine Tugend machen.

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